Samstag, 5. Januar 2008

Iowa has spoken (II): "It's about WE!"

Nun also der zweite Teil der Iowa-Vorwahlen: Das Ergebnis der auf der republikanischen Seite. Zunächst die Zahlen der Republican Party of Iowa:

Mike Huckabee: 40.841 (34.41%)
Mitt Romney: 29949 (25.23%)
Fred Thompson: 15904 (13.40%)
John McCain: 15559 (13.11%)
Ron Paul: 11817 (9.96%)
Rudy Giuliani: 4097 (3.45%)
Duncan Hunter: 524 (0,44%)
Tom Tancredo: 5 (0,00%)

Im Vergleich mit den im Vorfeld veröffentlichten Umfragen fällt dieses Ergebnis nicht ganz so spektakulär aus, wie bei den Demokraten. Lediglich auf den ersten beiden Plätzen war gegen Ende Dezember ein deutlich engeres Rennen vorausgesagt worden. Im Gegensatz zu den Demokraten wird bei den Republikanern jede Stimme gezählt, so dass es nicht zu den beschriebenen Verschiebungen kommt. Der deutliche Vorsprung Huckabees zeigt sich auch bereits in den CNN Entrance Polls. In diesem Fall lagen also die Meinungsforscher im Vorfeld tüchtig daneben, was allerdings angesichts der Jahreszeit nicht verwundert. So ist es außerordentlich schwierig, in der Feriensaison "zwischen den Tagen" zuverlässige Telefonumfragen zu machen, wenn ein großer Teil der Leute Familienbesuche, Urlaub und ähnliches macht. Wenn man sich hingegen die Mitte-Dezember-Umfragen ansieht, war dort ein deutlicher Vorsprung für Mike Huckabee erwartet worden.
Also ein Ergebnis, was einen nicht wirklich überraschen kann, an das man aber andererseits doch nie so wirklich glauben mochte. Da hat es dieser schrullige Baptistenprediger aus Arkansas tatsächlich geschafft, quasi ohne finanzielle Mittel den glatten Yankee-Millionär Romney klar zu schlagen.
Aber auch auf den hinteren Plätzen gibt es interessantes zu vermelden. Zunächst einmal ist der dritte Platz von Fred Thompson besser, als man es in den lezten Wochen erwartet hätte, aber doch nicht so gut, als dass er damit irgend etwas anfangen könnte, zumal ihm in New Hampshire eine wahre Klatsche droht. Apropos Klatsche: 3,5 % für Rudy Giuliani, ein gutes Drittel dessen, was Ron Paul einfahren konnte. Das ist für den ehemals unangefochtenen Front-runner der Republikaner eine herbe Packung. Auch wenn er Iowa schon früh abgeschrieben hatte - Platz 6 ist einfach zu schwach und so ein geringer Stimmenanteil darf sich in New Hampshire und South Carolina nicht wiederholen, sonst gerät er in einen Abwärtstrend, der mit Geld nicht mehr zu stoppen ist. Und bei allem Respekt vor den fast 10% von Ron Paul: Hinter dem sollte er auch nicht noch ein zweites Mal ins Ziel kommen. John McCain hingegen dürfte sich überwiegend freuen: Zwar wäre sein Comeback noch eindrucksvoller gewesen, wenn er 500 Stimmen mehr gehabt und Thompson hinter sich gelassen hätte. Aber, dass er überhaupt noch dabei ist, ist mehr, als die meisten Kommentatoren vor einem halben Jahr noch erwartet hatten und die Niederlage von Mitt Romney wird ihm in New Hampshire helfen, wo er gute Chancen hat, nach 2000 zum zweiten Mal zu gewinnen. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Ergebnis manches amtlich macht, was die Umfragen der letzten Wochen andeutete: Huckabee ist der Mann der Stunde, McCain (mal wieder) zurück von den Toten, Romney und Giuliani mit Problemen und Ron Paul immer für ne Überraschung gut.
Auch der Blick auf die Entrance Polls bestätigt die eine oder andere Vermutung. So führt Huckabee bei den Evangelikalen mit 46% gegenüber Romney (19%) und liegt bei den Wählern, für die Religion eine hohe Bedeutung hat mit 56% klar vor McCain, Romney und Thompson (je 11%). Bei Wählern, für die Religion unbedeutend ist, liegt er hingegen mit 5 % auf Rang 6 (Romney: 40%, Paul: 17%). Konservative Wähler neigen zu Huckabee, bei den Moderaten liegen Romney und McCain vorn. Bemerkenswert sind die Ergebnisse bei den Kandidateneigenschaften. In der Kategorie "Glaubwürdigkeit" liegt Huckabee deutlich vorn, Romney hingegen hinter Thompson (!) und McCain gemeinsam mit Ron Paul auf Platz 4.Bei "Teilt meine Werte" erreicht Huckabee 44%, Romney auf Platz 2. Bei "Erfahrung" und "Wählbarkeit" fällt Huckabee aber deutlich ab: 9 bzw. 8 Prozent (Romney 37 bzw. 51). Aber lediglich für 14 bzw. 7 Prozent der Wähler waren diese Eigenschaften wichtig. Aufällig ist auch, dass Huckabee in allen vier befragten Themen (Immigration, Irak, Wirtschaft, Terrorismus) vorn liegt, was insbesondere beim Thema "Wirtschaft" überrascht, da Romney hier hohe Kompetenz beansprucht.
Wie geht's jetzt weiter? Mike Huckabee befindet sich auf der Siegerstraße, auch das Geld wird in den nächsten Wochen stärker fließen. Zwar wird er in New Hampshire nicht gewinnen können, das erwartet aber auch niemand. Wenn er dort Giuliani schlägt - und mit dem Rückenwind aus Iowa ist das möglich - und Dritter wird, wäre das ein guter Erfolg, bevor es nach South Carolina geht, wo er siegen muss und - so weit lehne ich mich mal aus dem Fenster - auch wird. Mitt Romney steht mit dem Rücken zur Wand: Er muss in New Hampshire siegen - koste es, was es wolle. Und das darf man wohl wörtlich nehmen. Er wird mit allen Tricks und viel Geld versuchen, McCain dort zu schlagen und, wenn man die jüngsten Umfragen nimmt, sieht es nicht gut für Romney aus. Verliert er New Hampshire, dürfte er aus dem Rennen sein. Freilich wird er nicht aussteigen, sondern versuchen, beim Super Tuesday noch was zu reißen. John McCain hat in letzter Sekunde doch noch zu seiner Form gefunden und liegt jetzt in New Hampshire vorn. Das muss er aber auch in einen Sieg ummünzen, will er weiter im Spiel bleiben. Er hat immer erkärt, dass New Hampshire für ihn entscheidend ist. Verliert er dort mehr als nur um Haaresbreite, wird er wohl aussteigen. Fred Thompson hat New Hampshire früh abgeschrieben, das werden ihm die Wähler böse quittieren. Thompson hat bereits South Carolina als nächstes Ziel ausgegeben, wo er sich mit Huckabee und Romney wird herumschlagen müssen. Hier müsste ein Sieg oder ein sehr guter zweiter Platz her, sonst ist er weg vom Fenster. Giuliani ist momentan zum Zusehen verdammt: In New Hampshire und Michigan ist er gar nicht, in South Carolina kaum konkurrenzfähig. Er wird hoffen, dass New Hampshire an McCain, Michigan an Romney und South Carolina an Thompson geht und er Ende Januar in Florida siegen kann, so dass er ohne Rückstand auf irgendwen in den Super Tuesday gehen kann, wo er in großen Staaten große Vorsprünge hat. Wenn Huckabee aber in New Hampshire gut abschneidet und South Carolina und vielleicht sogar Michigan gewinnt, könnte es für Giuliani sogar in Florida brenzlig werden - auch dort liegt Huckabee gut im Rennen. Sollte Giuliani auch Florida verlieren, wirds verdammt eng. Ron Paul wird in New Hampshire ein weiteres gutes Ergebnis zeigen können und hat mittlerweile genug Geld gesammelt, um bis zum Ende mitsurfen zu können, ohne dass er dabei freilich um den Sieg mitkämpfen kann. Aber jeder Kandidat, der bei der Convention noch im Rennen ist, darf dort auch reden - das wäre sicher unterhaltsam.
Apropos reden: Zum Abschluss noch die recht launige Siegesrede von Mike Huckabee. Nicht so brilliant wie Obama, aber die zweitbeste Rede des Wahlabends - finde ich jedenfalls:

Freitag, 4. Januar 2008

Iowa has spoken (1): "They said, this day would never come."

In meinem ersten Beitrag zur Nachlese der Iowa-Vorwahlen beschäftige ich mich mit dem Ergebnis bei den Demokraten. Falls sie irgendwer noch nicht mitbekommen haben sollte, hier noch einmal die Zahlen der Iowa Democratic Party:

Barack Obama: 37.58%
John Edwards: 29.75%
Hillary Clinton: 29.47%
Bill Richardson: 2.11%
Joe Biden: 0.93%
Chris Dodd: 0.02%

Vergleicht man diese Zahlen mit den in Iowa veröffentlichten Umfragen, mutet das Ergebnis von gestern Nacht einigermaßen sensationell an. So sahen von über 70 mir bekannten Umfragen lediglich zwei einen Vorsprung von 8 oder mehr Prozentpunkten für Obama vorher. Ein Ergebnis von über 37% sah nicht eine einzige Umfrage für irgend einen Kandidaten vor. Das gleiche gilt für das schlechte Abschneiden der "Sonstigen", das zwei von ihnen, die Senatoren Biden und Dodd, zur unverzüglichen Aufgabe bewegte.
Führt man sich aber die etwas umständlichen Regeln des demokratischen Caucus vor Augen (bei uswahl2008.de schön erklärt, mit literarischer Beigabe), nimmt die Verwunderung schon deutlich ab. Ein entscheidender Unterschied zu den Republikanern ist der, dass bei den Demokraten in jedem einzelnen Caucus nur die Kandidaten überhaupt gezählt werden, die mehr als 15% der Stimmen bekommen. Wenn jetzt also auf einem 1000-Personen-Caucus die Kandidaten Biden, Dodd und Richardson jeweils "nur" mit 130 Unterstützern dastehen, werden die nicht gezählt, sondern müssen sich für einen anderen Kandidaten entscheiden. Und zusammen wären das ja immerhin fast 40% unseres imaginären Caucusses, also eine bedeutende Größe, die aber in Umfragen im Grunde nicht abgebildet werden kann. Man kann zwar die zweite Wahl der Leute abfragen (das passiert nur in den allerwenigsten Umfragen), aber kein Mensch weiss ja, ob die erste Wahl der befragten Wähler wirklich ausscheidet und damit die zweite Wahl zum Zuge kommt.
Die Wähler der "Sonstigen" von sich zu überzeugen, ist also mitunter genauso bedeutend, wie die Mobilisierung der eigenen Wähler. Vor vier Jahren gelang dies vor allem John Edwards hervorragend und nach einigen Umfragen, die auch die zweite Wahl abfragten, sah es so aus, als sollte er auch dieses Mal wieder die Nase vorn haben. Allerdings konnte der Aufruf von Dennis Kucinich an seine Unterstützer, als zweite Wahl Obama zu wählen, als Vorahnung gesehen werden - vor vier Jahren hatte Kucinich Edwards unterstützt. Und so scheint es auf den ersten Blick, als hätte Obama hier tatsächlich noch einmal beträchtlich verbessern können. Doch dazu gleich mehr.
Interessant ist der Blick auf die Entrance Polls von CNN. Hier zeigt sich z.B., dass Obama in außerordentlich hohem Maße von jungen Wählern gewählt wurde: In der Altersgruppe 17-29 liegt er bei sagenhaften 57%, "gefolgt" von Edwards (14), Clinton (11, in Worten: ELF) und Richardson (10). Auch in der Altersgruppe 30-44 liegt Obama mit 42% noch deutlich vor Clinton (23) und Edwards (21). Einen deutlichen Vorsprung kann Clinton 45% gegenüber 22% (Edw.) und 18% (Oba.) erst bei den über 65jährigen aufweisen.
Obamas Vorsprung zieht sich auch eingermaßen konstant durch alle Einkommensgruppen. Hier ist bemerkenswert, dass die Unterstützung für Edwards mit zunehmendem Einkommen eher zunimmt, obwohl die Bekämpfung der Armut und der Einsatz für Mittel- und Unterschichten die Basis für Edwards' Kampagne bilden. Auch die gewerkschaftliche Orientierung von Edwards bleibt folgenlos: Organisierte wählen ihn kaum stärker als nicht organisierte. Bei den Motiven für die Unterstützung bekommen alle drei etwas ab: Clinton führt bei "Erfahrung", Edwards bei "Kümmert sich um die Menschen" und "Wählbarkeit" (eigentlich ein zentrales Element von Clinton). Für 52% der Wähler war aber das Motiv "Wandel" entscheidend und hier führt Obama dramatisch: 51% gegenüber 20% (Edw.) und 19% (Cli.).
Kommen wir zurück zu der Frage, wer im Verlaufe der Caucusses am meisten rausholen konnte. Hier sind die Entrance Polls recht hilfreich: Wie der Name schon sagt, werden hier die Wähler beim Eingang in die Veranstaltungen nach ihrer Wahlabsicht befragt. Da ergab sich folgendes Bild:
Obama: 35%, Clinton: 27%, Edwards:23%, Richardson: 7%, Biden: 4%, Dodd: 1%, Kucinich: 1%
Obama konnte also 2,5 Prozentpunkte zulegen, Edwards hingegen fast 7. Bei 2.300 Befragten liegt beides oberhalb der Fehlertoleranz, da ist also wirklich was passiert. Und zwar etwas für Hillary Clinton, die auch etwa 2% zulegte, recht unerfreuliches: Edwards konnte sie mit einer starken Organisation auf den Caucusses überholen.
Was bedeutet nun dieses Ergebnis für den weiteren Vorwahlkampf. Zunächst einmal eine Verkleinerung des Feldes: Dodd und Biden sind raus, Kucinich und Gravel ohnehin nur virtuell dabei und auch Richardson wird bald die Segel streichen. Es ist ein Dreikampf geblieben, der sich allerdings nach den Vorwahlen in New Hampshire und South Carolina zum Zweikapf Clinton-Obama entwickeln dürfte. Und in diesem Zweikampf ist Hillary nach wie vor die haushohe Favoritin. Denn auch wenn dieses Ergebnis das für sie das schlechteste ist, was realistisch erwartet werden konnte: Obama muss schon in New Hampshire UND South Carolina klar siegen, um sich für den Super Tuesday als gleichwertiger Bewerber aufzubauen. Was durchaus machbar, aber keineswegs sicher ist, auch wenn die Medien Obama in den nächsten Tagen kräftig hochjubeln werden. Die Entscheidung findet am 5.2. statt - das ist das Ergebnis dieser "first in the nation"-Vorwahl.
Ein Wort noch zu John Edwards: Er hat mal wieder gezeigt, dass in Iowa mit ihm gerechnet werden muss. Am Ende ist dieses Ergebnis aber eher eine Niederlage als ein Sieg für ihn. In New Hampshire und South Carolina wird er wohl nicht diese Rolle spielen können. Nur ein Sieg in seinem "zweiten Wohnzimmer" Iowa hätte ihm die Aufmerksamkeit verschafft, die ihm die Chance auf die Nominierung aufrecht erhalten hätte. Wenn also nicht einem der beiden Konkurrenten noch etwas außergewöhnliches passiert, dürfte Edwards keine Chance mehr haben, noch irgendetwas zu gewinnen.
Abschließend gebe ich noch dem Sieger des gestrigen Abends das Wort, der meines Erachtens auch die beste Rede des Abends gehalten hat:

Samstag, 29. Dezember 2007

Caucusing is easy

Bislang hab ich es ja nicht auf die Reihe gekriegt, was über Tante Hillary zu schreiben. Dass wird auch dieser Beitrag nicht ändern, aber ein schönes Video ihrer Kampagne möchte ich aus zwei Gründen hier doch vorstellen: Einerseits ist er witzig, sogar selbstironisch. Anderseits erklärt er das, was sich in einigen Tagen in Iowa abspielen wird. Viel Spass:



Die beiden "Gaststars" in dem Video sind übrigens in der Tat Bill Clinton und Tom Vilsack. Dass ihr Mann in diesem Wahlkampf jeden Quatsch mitmacht, ist nicht neu. Dass Tom Vilsack, der sich urprünglich selbst um die Präsidentschaft bewarb und als heißer Kandidat als Clintons Vizepräsidentschaftskandidat gehandelt wird, hier "antanzt", finde ich allerdings interessant. Stellt sich da ein Team vor?

Better know....a candidate:Barack Obama

Eine der schillerndsten Figuren dieses Wahlkampfes ist sicherlich Barack Obama, der junge, charismatische Senator aus Illinois.
  • Name: Barack Hussein Obama Jr.
  • Barack Obama (D)
  • Geburtsdatum: 4. August 1961
  • Geburtsort: Honolulu, Hawaii
  • Heimatstaat: Illinois
  • Partei: Demokraten
  • Beruf(e): Anwalt, Dozent, Politiker
  • Religion: protestantisch
  • Ideologie: Hard-Core Liberal
Obamas Biografie ist außergewöhnlich. Als Sohn eines Kenianers und einer US-Amerikanerin wuchs er in Honolulu und Jakarta auf. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, er hätte in Jakarta eine islamische Madrasa besucht, dies entspricht allerdings nicht der Wahrheit. Er besuchte die Columbia University in New York sowie die Harvard Law School. Dort wurde er 1990 als erster Afroamerikaner zum Präsidenten des renommierten "Harvard Law Review" gewählt. 1991 schloss er sein Harvard-Studium mit magna cum laude ab, bereits 1993 unterrichtete er Verfassungsrecht an der Universität von Chicago.
1996 wurde er in den Senat des Staates Illinois gewählt, die Wiederwahl gelang ihm 1998 und 2002. Weniger erfolgreich verlief sein erster Versuch, in den Kongress einzuziehen: 2000 scheiterte er bei den demokratischen Vorwahlen im 1. Kongressbezirk von Illinois an Amtsinhaber Bobby Rush (D-IL).
Vier Jahre später katapultierte es Obama dann aber auf die große Bühne der nationalen Politik. Zunächst einmal gelang es ihm mit Hilfe verschiedener Zeitungen und aufgrund von Pannen seiner Mitbewerber, die demokratische Nominierung für den Senatswahlkampf zu erhalten. Dann tat ihm sein republikanischer Gegenkandidat Jack Ryan (wirklich wahr) auch noch den Gefallen, seine Frau, die Schauspielerin Jeri Ryan, zu verprügeln, so dass Alan Keyes als Notlösung einspringen musste. Am Ende gewann Obama mit 43 Prozentpunkten Vorsprung, was der größte Vorsprung in der Geschichte des Staates Illinois ist.
Mindestens genauso bedeutend für Obamas nationale Bekanntheit war allerdings sein Auftritt auf dem demokratischen Wahlkongreß. Er stahl dem Kandidatenduo Kerry&Edwards die Show und lieferte eine vielbeachtete Rede ab:



Am 10. Februar 2007, nach lediglich 2 Jahren im Senat, erklärte Obama seine Kandidatur auf den Stufen des Old State Capitol in Springfield, Illinois Hauptstadt, in dem Abraham Lincoln 1858 seine legendäre "House Divided"-Rede gehalten hatte. Zentrales Element seiner Kampagne war von Anfang an das Versprechen, einen neuen Politikstil einzuführen. Kritik ob seiner geringen Erfahrung, insbesondere in der Außenpolitik konterte er mit dem Verweis darauf, dass kaum jemand mehr Erfahrung besessen hätte als Donald Rumsfeld und Dick Cheney. Mit zunehmender Dauer des Wahlkampfes verschärften sich seine Angriffe auf Hillary Clinton, die er als Vertreterin des Washingtoner Establishments darstellt. Zu Hilfe kommt ihm dabei der Umstand, dass Clinton anfänglich für den Irak-Krieg stimmte (wie fast alle ihrer Senatskollegen), während Obama für sich reklamieren kann, von Anfang an dagegen gewesen zu sein:



Inhaltlich hat es sich damit auch schon so fast. Erwähnenswert ist noch der Einsatz gegen Lobby-Interessen und für die Opfer des Hurrikans Katrina. Ansonsten is demokratischer Mainstream angesagt.

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Choice
  • Same-Sex Marriage: Sollen die Kirchen entscheiden, aber für eingetragene Partnerschaften, Gleichbehandlung
  • Krieg: Irak-Krieg beenden, will Abzug bis 2013, mag aber nix versprechen
  • Außenpolitik: Bereit, mit FidelCastro, Kim Jung Il & Hugo Chavez zu reden
  • Arbeitsmarkt: Für Anhebung Mindeslohn, Unterstützer von Gewerkschaften
  • Todesstrafe: klar dagegen
  • Waffenkontrolle Für scharfe Kontrolle
  • Bürgerrechte: Starke Unterstützung von Affirmative Action
Der Rest der Obama-Kampagne dreht sich im wesentlichen um ihn selbst: Obama, der junge, frische, farbige Kandidat mit multikulturellem Background, der alles irgendwie anders und besser machen will. Ob's langt, wird sich zeigen, momentan sieht es nicht danach aus. Selbst wenn Obama in Iowa UND New Hampshire gewinnen sollte, wäre es noch ein weiter Weg zur Mehrheit auf der Convention.
Zum Abschluss gibt es noch zwei Videos: techpresident.com hat eine Top Ten der besten Videos von und über Kandidaten aufgestellt. In der Kategorie "Videos über Kandidaten" führt ein mittlerweile legendärer Spot eines Obama-Fans:



Und in der Kategorie "Videos von Kandidaten" hat Obama selbst den Sieg mit einem ziemlich langen Spot davongetragen:

Werbeblock

Für zeitgeschichtlich Interessierte gibt es bei Congressional Quarterly eine umfassende Darstellung der Präsidentschaftsvorwahlen von 1912 bis heute.

Was bisher geschah...

Es ist doch ein Weilchen her, seit ich die letzten Einträge geschrieben habe. Und in der Zwischenzeit hat sich einiges getan, die Ereignisdichte fällt in den beiden Lagern allerdings sehr unterschiedlich aus. Bei den Demokraten ist business as usual, mal davon abgesehen, dass Hillary jetzt auch in Iowa wettbewerbsfähig ist. Sollte sie dort und in New Hampshire gewinnen, könnte der Drops bereits Mitte Januar gelutscht sein und die Demokraten könnten bereits den eigentlichen Wahlkampf vorbereiten. Wobei es eine Zeit dauern könnte, bis sie erfahren, gegen wen es den geht.
Denn bei den Republikanern geht es zu wie bei Hempels unterm Bett. Die wellenförmigen Hypes nehmen kein Ende. Nach der Giuliani-Welle im Frühjahr, der Thompson-Welle im Sommer und der Romney-Welle im Herbst gab es im Dezember zunächst einmal eine Huckabee-Welle - und was für eine! Der Mann kam ja quasi aus dem Nichts, er dümpelte bei fast allen Umfragen im niedrigen einstelligen Bereich und wurde teilweise gar nicht abgefragt. In Iowa gelang es ihm aber, sich Stück für Stück nach oben zu arbeiten. Hilfreich war dabei sicherlich die absolut enttäuschende Performance von Fred Thompson. Und bei der Suche nach einem neuen Liebling landete manch konservativer Republikaner bei dem Prediger aus Arkansas. Und so gelang Huckabee am 27.11. das unfassbare: In einer Iowa-Umfrage des renommierten Rassmussen Reports lag er auf Platz 1. Danach ging es Schlag auf Schlag:
4.12.: +7 in South Carolina (vor Thompson, Romney)
6.12.: +22 in Iowa (Romney)
9.12.: +3 in Georgia (Thompson), Platz 2 in Wisconsin (-6 auf Giuliani)
12.12.: +12 in Texas (Giuliani)
13.12.: +4 in Florida (Giuliani), Platu 2 in Illinois (-2 auf Giuliani)
17.12.: Platz 2 in Kalifornien (-8 auf Giuliani)

...und so weiter. Dabei muss angemerkt werden, dass manches, was in den USA so als Umfrage verkauft wird, aus fachlicher Sicht jeder Beschreibung spottet (ich sage nur: 200 Befragte!). Aber es geht auch nicht um die konkreten Ergebnisse, sondern um die Tatsache, dass einer wie Huckabee mit den großen Jungs mitspielen kann und das auch in großen Staaten wie Kalifornien und Florida. Sollte er in den ersten Staaten gut abschneiden, vielleicht zwei davon gewinnen, wird auch das Geld kommen, was bislang Huckabees größtes Problem darstellt. Und dann könnte er ein echtes Problem für Giuliani werden.
Aber damit nicht genug, in der zweiten Dezemberhälfte ereignete sich noch eine weitere kleine Welle: Ein im wahrsten Wortsinn alter Bekannter ist wieder da: John McCain! Dass man den nicht abschreiben darf, gehörte den ganzen Herbst über, als er quasi pleite im einstelligen Umfragenbereich herumdümpelte, zu den meistbemühten Allgemeinplätzen der Kommentatoren. Was die Leute nicht davon abhielt, ihn dennoch abzuschreiben. Und so ist die Überraschung groß, dass er in New Hampshire Mitt Romney eng auf den Fersen ist. McCain hat dort die Unterstützung einer einflussreichen konservativen Zeitung gewonnen und der Neuengland-Staat ist traditionell ein gutes Pflaster für den alten Haudegen. Zugute kommen könnte ihm, dass im Zuge der Ereignisse in Pakistan die Außenpolitik wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Hier hat McCain die stärksten Kompetenzwerte zu bieten. Ob dieser Schlussspurt aber am Ende noch was retten kann, bleibt abzuwarten.
Ansonsten sind noch zwei Abgänge zu vermelden. Sam "Chrrrrrr" Brownback und Tom "Mekka Bomber" Tancredo haben ihre Kandidaturen zurückgezogen. Brownback unterstützt nun McCain, Tancredo unterstützt Romney. Brownback garnierte seinen Rückzug mit dem dezenten Hinweis, dass Wahlkämpfe nicht der richtige Zeitpunkt für Immigrations-Debatten sind. Soso! Damit ist von unserem Rechtskonservativen Fähnlein Fieselschweif nur noch Track in Gestalt von Duncan "Zaunkönig" Hunter
übrig. Ron Paul hingegen ist nicht nur noch da, sondern erfreut sich auch wachsender Beliebtheit in der echten Welt, nachdem er ja schon der Held des WWW ist. In einigen Umfragen konnte er sogar in die Nähe der 10%-Marke vordringen. Das alles wird vermutlich nichts nützen, aber andererseits: bei diesen Republikanern kann man wirklich nichts mehr ausschließen.

Freitag, 28. Dezember 2007

Better know....a candidate: Mitt Romney

Romney wuchs als Sohn des republikanischen Gouverneurs von Michigan, George W. Romney, in Detroit auf. Romney Sr. bewarb sich um die republikanische Nominierung für die 1968er Präsidentschaftswahlen. Eine Bemerkung über angeblich "gehirngewaschene" Medien und seine kritische Haltung zum Vietnamkrieg führten dazu, dass er einem gewissen Richard Milhous Nixon unterlag.
Mitt Romney genoss seine akademische Ausbildung an einer mormonischen Hochschule in Utah, nachdem er zwei Semester die Universität Stanford besucht und zweieinhalb Jahre in Frankreich missioniert hatte. 1975 machte er schließlich als einer der Jahrgangsbesten seinen Abschluss in Harvard.
1978 bis 1984 war er als Vizepräsident der Unternehmensberatung Bain&Company tätig, 1984 bis 1990 als Präsident der Tochtergesellschaft Bain Capital. 1990 übernahm er als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des in Schwierigkeiten geratenen Mutterkonzerns und strukturierte diesen um. 1998 verließ er Bain&Company und wurde CEO des Olympiakommittees von Salt Lake City. Der größte Teil seines auf 190-250 Mio. US-$ geschätzten Vermögens stammt aus diesen zwei Jahrzehnten.
Als Romney den Vorsitz des Olympiakommittes am 11. Februar 1999 antrat, drohte ein finanzielles Desaster, das Defizit betrug bereits fast 400 Mio. US-$. Hinzu kamen Korruptionsvorwürfe, die etliche Offizielle ihren Job kosteten. Es wurde bereits erwogen, die Spiele zu verkleinern. Romney gelang es nicht nur, die Spiele mit einem Überschuss von 100 Mio. US-$ abzuschließen, er meisterte auch die aus den Anschlägen vom 11. September 2001 resultierenden gestiegenen Sicherheitsanforderungen.
Seine erfolgreiche Bewerbung für das Amt des Gouverneurs von Massachusetts im Jahr 2002 war bereits Romneys zweiter Versuch im Bereich der Politik. 1994 forderte er Sen. Ted Kennedy (D-MA) heraus. Am Ende gewann Kennedy den Kampf um den Sitz im US-Senat mit 58 zu 41 Prozent, dies war das erste Mal seit seiner Wahl 1962, dass Kennedy weniger als 60% der Stimmen bekam. 2002 aber, mit der erfolgreichen Olympiade im Rücken, schlug Romney seine demokratische Gegenspielerin Shannon O'Brien und wurde 70. Gouverneur von Massachusetts. In seiner vierjährigen Amtszeit baute er das enorme Defizit, welches seine (republikanischen) Vorgänger angehäuft hatten, durch moderate Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, ab. Außerdem setzte er eine Gesundheitsreform durch, die eine Pflichtversicherung auf privatwirtschaftlicher Basis bedeutete. Des weiteren setzte er sich für civil unions (eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften) ein, nachdem ihn der oberste Gerichtshof von Massachusetts vor die Wahl zwischen diesen und dem vollen Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare stellte. Im Waffenrecht hielt er sein Wahlversprechen, die diesbezüglich strikten Gesetze des erzliberalen Massachusetts unangetastet zu lassen. Auch in der Abtreibungsfrage gab er sich anfangs liberal, bezeichnete dies später aber als Fehler. Er verzichtete 2007 auf eine zweite Amtszeit als Gouverneur zugunsten der Präsidentschaftskandidatur und schied mit einer bescheidenen Zufriedenheitsrate von 43% aus dem Amt. Sein Nachfolger wurde der Demokrat Deval Patrick, 17 Jahre nach Couglas Wilder (D-VA) erst der zweite Afroamerikaner der zum Gouverneur eines US-Bundestaates gewählt wurde.
Am 13. Februar 2007 erklärte Romney offiziell seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2008, über die bereits seit seiner Rede auf dem republikanischen Wahlkongress 2004 spekuliert worden war. Angesichts seines (im Vergleich mit Giuliani und McCain) geringen nationalen Bekanntheitsgrades setzte Romney von Anfang an auf die "early states", wie Iowa und New Hampshire. Er verfügt über die mit Abstand größten finanziellen Mittel aller republikanischen Kandidaten, ein erheblicher Teil davon stammt allerdings aus eigener Tasche. Allein die Summe, die Romney seiner eigenen Kampagne "geliehen" hat, übersteigt das Gesamtbudget der meisten Präsidentschaftskandidaten erheblich. Und er gibt das Geld mit vollen Händen aus, vor allem für Werbespots in TV, Radio und Web. Im Ergebnis ist er in allen frühen Vorwahlstaaten vorn mit dabei. Mit Stand Silvester 2007 ist es ihm aber nicht gelungen, auch nur in einem Staat (sieht man einmal von Utah ab, den hat er wohl sicher) einen klaren Vorsprung zu erarbeiten und zu halten. In Iowa ist Mike Huckabee deutlich an ihm vorbeigezogen und in New Hampshire ist ihm Stehaufmännchen John McCain auf den Fersen. Selbst in seiner alten Heimat Michigan ist ihm der Sieg nicht sicher. Und so geht es für Romney in den ersten Januarwochen bereits um alles oder nichts: Ohne zwei, drei überzeugende Siege in den 8 Januar-primaries braucht er zum Super-Tuesday gar nicht erst anzutreten.
Dabei hat er zwei Probleme. Das erste ist sein Glaube. Die Mormonen gelten vielen Evangelikalen in den USA als suspekt. Romney hat zwar versucht, quasi auf den Spuren des Katholiken Kennedy, mit einer Rede zu diesem Thema dieses Problem zu entschärfen. Dennoch haben seine Gegner kaum eine Gelegenheit ausgelassen, subtil die diesbezüglichen Vorurteile anzuheizen.
Das deutlich gravierendere Problem sind aber seine inhaltlichen Positionen. Vielmehr die, sagen wir mal, Flexibilität der selben.
Hier zunächst der Mitt Romney aus dem Jahr 1994:


Damals wollte er im erzliberalen Massachusetts US-Senator werden. Nun als Präsidentschaftskandidat gibt er deutlich andere Töne von sich:

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Weitermachen, ob man für einen Iran-Krieg noch ne Authorisierung brauch, da sollen sich Anwälte drum kümmern
  • Waffenkontrolle: dagegen, nur Sturmgewehre müssen nicht in jedes Kinderzimmer
  • Todesstrafe: dafür
  • Kriminalität: lebenslange GPS-Überwachung bereits bei Ersttätern
  • Umwelt/Energie: für alternative Energien UND Ölbohrung in Naturschutzgebieten Alaskas
  • Gesundheit: Privat vor Staat, kein Sozialismus im Gesundheitswesen
  • innere Sicherheit: Guantanamo verdoppeln, ständig über Methoden der "intensiven Befragung" diskutieren ist unklug, einfach machen
  • Zuwanderung: Für illegale Immigranten nicht das schwarze unterm Fingernagel (Hat blöderweise selbst mehrfach welche auf seinem Anwesen beschäftigt, natürlich unwissentlich...)
Tja, kann man's dem durchschnittlich reaktionären US-Republikaner verdenken, wenn er dem Knaben nicht recht über den Weg traut? Ich finde nicht. Und deshalb wage ich mal die Prognose, dass auch das viele ausgegebene Geld im bodenständig-religiösen Iowa nicht für den benötigten Sieg reichen wird. Und damit wird auch New Hampshire schwierig, wo selbst ein knapper Sieg gegen McCain bereits eine Enttäuschung wäre. Gelingt nicht einmal das, dürfte diese Kampagne spätestens am Super Tuesday (5.2.) ihr Ende finden. Geld allein macht eben nicht nur nicht glücklich und schießt keine Tore, sondern es macht einen noch nicht automatisch zum Präsidentschaftskandidaten.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Einer geht noch...

...einer geht noch weg. Die Seuche für die Republikaner im Senat nimmt einfach kein Ende. Nach den Rückzugs-Ankündigungen von Sen. Wayne Allard (R-CO), Sen. Larry Craig (R-ID), Sen. John Warner (R-VA) und Sen. Chuck Hagel (R-NE) hat nun ein weiterer republikanischer Senator angekündigt, sich im nächsten Jahr nicht der Wiederwahl zu stellen: Sen. Pete Domenici (R-NM) Wie Craig, Warner und Hagel ist Domenici ein republikanisches Urgestein. Bereits seit 1973 gehört er dem Senat an und hat bereits an mehr als 13.000 Abstimmungen teilgenommen, was außer ihm in der US-Geschichte lediglich sieben Senatoren fertig bekommen haben. Nationale Berühmtheit erlangte Domenici allerdings vor allem im Zusammenhang mit der Affäre um 8 entlassene Bundesanwälte, die u.a. auch zum Rücktritt von Justizminister Gonzales führte. Im Vorfeld der Zwischenwahlen 2006 versuchte Domenici in mehreren Telefonaten, Druck auf den später entlassenen Bundesanwalt Iglesias auszuüben, damit dieser Untersuchungen gegen demokratische Politiker vorantreiben möge. Diese Affäre hat die Wiederwahl-Chancen Domenicis erheblich geschmälert, zumal New Mexico in den vergangenen Jahren ein hart umkämpfter Staat geworden ist. Sein Rückzug wiederum bietet den Demokraten ein weiteres attraktives Ziel für die anstehenden Senatswahlen. Auf republikanischer Seite hat bereits die Abgeordnete Rep. Heather Wilson (R-NM) ihre Kandidatur erklärt, bei den Demokraten sind u.a. die ehemalige Generalstaatsanwältin Patricia Madrid, die stellvertretende Gouverneurin Diane Denish sowie der Abgeordnete Rep. Tom Udall (D-NM) interessiert. So weit, so unspektakulär. Eine gewaltige Trumpfkarte haben die Demokraten aber noch im Ärmel: Gouverneur Bill Richardson. Der ist immens populär und darf sich nicht erneut der Wiederwahl zum Gouverneur stellen. Das Problem: Richardson ist immer noch Bewerber um das demokratische Präsidentschafts-Ticket mit guten Aussichten auf die Vizepräsidentschaft. Da kommt auf Sen. Chuck Schumer (D-NY), den Wahlkampfmanager der Demokraten im Senat, wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit zu. Gelingt es ihm allerdings, Richardson zu einer Kandidatur zu überreden, dürfte dieser Sitz im US-Senat wohl klar an die Demokraten gehen. Und dies dürfte die Demokraten der magischen Zahl von 60 Sitzen den möglicherweise entscheidenden Schritt näher bringen.

Freitag, 14. September 2007

Better know....a candidate: Duncan Hunter

Kommen wir zum drittel Teil unserer dreiteiligen Serie der drögen Außenseiter bei den Republikanern: Duncan Hunter.
  • Name: Duncan Lee Hunter
  • Duncan Hunter (R)
  • Geburtsdatum: 31. Mai 1948
  • Geburtsort: Riverside, California
  • Heimatstaat: California
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Politiker
  • Religion: Baptist
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Hunter wurde in Riverside im Umland von Los Angeles geboren. Er besuchte kurz verschiedene Universitäten, bevor seinen Militärdienst in Vietnam ableistete. Dieser Militärdienst verhalf ihm zu einem Studium an der Thomas Jefferson School of Law, das er 1976 abschloss. In der Folge war er als Anwalt tätig, seine Zulassung ruht jedoch seit 1983. Zwei Jahre zuvor war er für Kaliforniens 42. Bezirk in den Kongress gewählt worden. Durch verschiedene Wahlkreisneugliederungen vertritt Hunter heute den 52. Bezirk, der im Süden Kaliforniens, nahe der mexikanischen Grenze liegt und Teile San Diegos umfasst. Im Repräsentantenhaus gehört Hunter dem Militärausschuss an, dessen Vorsitzender er 2002-2006 war.
Hunter ist nun noch eine Spur farbloser als Tancredo und Brownback, er kann nicht einmal mit extremistischen Thesen und Forderungen aufwarten. Eine Besonderheit, auf die er selbst immer wieder hinweist, ist, dass er den Bau eines 14 (in Worten: VIERZEHN) Meilen langen Grenzzauns entlang der mexikanischen Grenze durchgesetzt hat.


Tja, wenn dem Kandidaten selbst schon sonst nix einfällt...

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Durchhalten bis zum Sieg, ggf. taktische Atomwaffen gegen Iran
  • Waffenkontrolle: dagegen, Bestnoten von der NRA
  • Todesstrafe: dafür, Einsprüche erschweren
  • Drogenpolitik: zufällige Drogentests bei Bundesbediensteten
  • Umwelt/Klima: gegen Kyoto, Schutzgebiete für bedrohte Tiere auflösen
  • innere Sicherheit: zu lasch mit den Entlassungen aus Guantanamo, für Überwachung auf Kosten von Freiheitsrechten
  • Zuwanderung: Mehr Zaun, mehr Zaaaaauuuun
So, die Struktur des Blogs verlangt einen abschließenden Kommentar. Aber was soll ich da noch schreiben? Vielleicht dass es Leute gibt, die gern "Bewerbung um das Amt des Präsidenten der USA" in ihrem Lebenslauf hätten. Wie sonst erklär ich mir so ne Kandidatur?

Better know....a candidate: Sam Brownback

Teil zwei unserer dreiteiligen Serie der drögen Außenseiter bei den Republikaner,: Sam Bronwback, der katholische Fundamentalist im Feld.
  • Name: Samuel Dale Brownback
  • Sam Brownback (R)
  • Geburtsdatum: 12. September 1956
  • Geburtsort: Parker, Kansas
  • Heimatstaat: Kansas
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Politiker
  • Religion: katholisch
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Brownback stammt aus Parker, einer kleinen "Stadt" im Osten von Kansas.Parker, Kansas 2000 hatte Parker 281 Einwohner aus 67 Familien in 96 Haushalten. Während seines Jurastudiums an der Kansas State University war er Vorsitzender des Studentenparlaments und einer Studentenverbindung . Außerdem war er Vizepräsident der Future Farmers of America, einer Organisation, der auch Ex-Präsident Carter in seiner Jugend angehörte. Nach Beendigung seines Studiums 1982 arbeitete Brownback als Moderator und Anwalt, bevor er 1986 zum Landwirtschaftsminister von Kansas ernannt wurde. Abgesehen von einem Austauschjahr in der Bundesverwaltung in Washington D.C. blieb er auf diesem Posten, bis er 1994 im Zuge der Republican Revolution für Kansas' 2. Bezirk in das Repräsentantenhaus gewählt wurde. Bereits 1996 ergab sich für Brownback die Chance, in den erlauchten Kreis der Senatoren aufzusteigen: Senator Bob Dole kandidierte (erfolglos) für die Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen, so dass eine Nachwahl für das Amt des US-Senators fällig war, die Brownback für sich entscheiden konnte. Im Senat gehört er dem Justiz-, dem Haushalts- und dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss sowie der OSZE-Kommission an. In der aktuellen Wahlperiode nahm Brownback an fast 40% der Abstimmungen nicht teil, was ihn an drittletzte Stelle unter allen Senatoren stellt - nur Sen. Tim Johnson (D-SD; krankheitsbedingt nicht dienstfähig, 100%) und Sen. John McCain (R-AZ, 48,1%) waren schlechter - ein Preis des Wahlkampfes. Mit 47% Zustimmung (bei 45% Ablehnung in seinem Heimatstaat weist Brownback für einen amtierenden Senator schwache Werte auf. Das dürfte ihn aber nicht um den Schlaf bringen - Brownback hat bereits angekündigt, 2010 keine Wiederwahl anzustreben.
Inhaltlich ist Brownback ein klassischer Vertreter des christlich-fundamentalistischen Konservatismus: Gegen Abtreibung, gegen mehr Rechte für Schwule und Lesben, für Todesstrafe, Kreationist und so weiter und so weiter:

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Weitermachen, aber politische Lösung wichtig
  • Waffenkontrolle: eher dagegen, mit Ausnahmen
  • Todesstrafe: dafür, Einsprüche erschweren
  • Drogenpolitik: schärfere Strafen
  • Bildung: Gegen Evolutionstheorie an Schulen
Auch Sam Brownback dürfte mit dem Ausgang des Rennens um die republikanische Nominierung nichts zu tun haben. Wenn die Basis der Republikaner sich zwischen den Inhalten und den Wahlchancen entscheiden müssen - und für viele am rechten Rand der "Grand Old Party" ist das der Fall - legen die Umfragen nahe, dass es ihnen wichtiger ist, einen Kandidaten zu haben, der Chancen hat, gewählt zu werden. Und mit Mike Huckabee und Fred Thompson stehen ja nun auch noch zwei deutlich charismatischere Kandidaten mit einigermaßen konservativem Profil zur Wahl. Aber schaut selbst: würdet ihr DEN wählen?


edit 29.12.:
Sam Brownback hat am 18. Oktober 2007 seine Kandidatur zurückgezogen.

Mittwoch, 12. September 2007

Weiter so, es geht voran...

..finden jedenfalls General David Petraeus, oberster US-Militär im Irak und Ryan Crocker, US-Botschafter ebendort. Die beiden haben in den vergangenen Tagen eine Menge Zeit auf dem Capitol Hill verbracht - sie waren als Zeugen vor diverse Ausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus geladen.
General Petraeus und Botschafter Crocker vor dem Auswärtigen Ausschuss.
Petraeus und Crocker vor dem Auswärtigen Senatsausschuss. Foto: NY Times

Insbesondere die Aussagen vor dem Auswärtigen und dem Militärausschuss des Senats waren mit Spannung erwartet worden, gehören diesen Ausschüssen doch immerhin 4 demokratische und ein republikanischer Präsidentschaftskandidat an.
Nahezu zehn Stunden verbrachten die beiden in den Senats-Anhörungen. Viel Neues kam dabei nicht heraus: Petraeus unterstreicht die militärischen Fortschritte und stellt leichte Truppenreduzierungen (ca. 5.000 Soldaten von 160.000) bis Weihnachten in Aussicht. Die Demokraten sind nicht überzeugt von den Fortschritten und fordern den Beginn eines ernsthaften Rückzugs. Die Präsidentschaftskandidaten üben sich in Selbstdarstellung. Bemerkenswert war der Auftritt der Republikaner. So gab der führende Republikaner im Auswärtigen Ausschuss, Sen. Richard Lugar (R-IN) in seiner Rede erheblichen Zweifeln an den Erfolgaussichten der Irak-Mission Ausdruck. Neben Lugar waren mit Chuck Hagel (R-NE) im Auswärtigen und John Warner (R-VA) noch zwei weitere exponierte republikanische Kritiker des Präsidenten mit von der Partie.
Die politischen Beobachter schätzen ein, dass der Auftritt von Petraeus und Crocker dem Präsidenten eine Atempause verschafft hat. Mit einer erfolgreichen, radikalen Rückzugs-Resolution von Seiten des Kongresses ist also in nächster Zeit nicht zu rechnen.
Im Vorfeld des Petraeus-Berichts gab es einigen Wirbel im Lager der Kriegsgegner. Die liberale Gruppierung MoveOn.org hatte eine Anzeige in der New York Times geschaltet, in der sie den General als Betrüger bezeichnete. Das ging dann selbst vielen Demokraten zu weit und verschaffte den Republikanern die Möglichkeit, lautstark eine Distanzierung einzufordern.

Den Petraeus-Bericht gibts hier, die Folien dazu hier und Botschafter Crockers Report hier.

Dienstag, 11. September 2007

Der letzte macht das Licht aus...

Die Rücktrittswelle, die vor einigen Wochen in der Regierung grassierte, hat nun auch voll auf den Senat übergegriffen - zumindest auf die Republikaner im Senat. Neben dem wahrscheinlichen Rücktritt von Sen. Larry Craig (R-ID) und dem schon länger bekannten Verzicht auf eine erneute Kandidatur von Sen. Wayne Allard (R-CO) gaben in den letzten Tagen zwei weitere republikanische Senatoren bekannt, sich 2008 nicht um eine Wiederwahl zu bewerben: Sen. Chuck Hagel (R-NE) und Sen. John Warner (R-VA). Die beiden waren in der Vergangenheit in der Kriegsfrage mit dem Präsidenten aneinandergeraten und zumindest Warner machte keinen Hehl daraus, dass er die Art, in der das Weiße Haus den Ratschlag der erfahrenen republikanischen Senatoren ignorierte, missbilligt, um es milde auszudrücken.

Damit steht die Führung der Republikaner im Senat vor einer denkbar undankbaren Aufgabe: Von den 34 Senatoren-Sitzen, die 2008 neu vergeben werden, sind im Moment 22 von Republikanern besetzt, nur 12 von Demokraten. Und dabei sehen sich eine Reihe von republikanischen Amtsinhabern vor ernsthaften Herausforderungen gestellt. So z.B. Sen. John Sununu (R-NH), Sen. Susan Collins (R-ME) oder Sen. Norm Coleman (R-MN). Auf Seiten der Demokraten hingegen scheint momentan nur Sen. Mary Landrieu (D-LA) in Gefahr zu sein. Um die Kontrolle über den Senat wiederzuerlangen, müssten die Republikaner alle ihre Sitze halten und mindestens einen, besser zwei Sitze hinzugewinnen - ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Wahrscheinlicher ist, dass die Demokraten ihre Mehrheit erheblich ausbauen können. Vor allem an der Ostküste haben die Demokraten in den vergangenen Jahren erheblich Boden gutmachen können. Und auch in den Heimatstaaten der ausscheidenden Republikaner - mit Ausnahme von Idaho - sind die Demokraten konkurrenzfähig, so dass der Gewinn von 4-5 Sitzen für die Demokraten zu erwarten sein drüfte. Dann läge die Mehrheit bereits bei 56 zu 44 Sitzen - und die magische 60 nicht mehr fern. Zwar müsste in diesem Jahr schon wirklich alles schief gehen, was für die Republikaner schiefgehen kann, damit die Demokraten diese Zahl erreichen - aber auch 2010 stehen wieder mehr Republikaner als Demokraten zur Wiederwahl an. Und damit dürfte wohl der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin über seine/ihre komplette erste Amtszeit mit einer soliden demokratischen Mehrheit im Senat konfrontiert sein.

Eine - nicht immer topaktuelle - Auflistung aller Senatswahlkämpfe gibts hier.

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