Kandidaten (Rep)

Freitag, 28. Dezember 2007

Better know....a candidate: Mitt Romney

Romney wuchs als Sohn des republikanischen Gouverneurs von Michigan, George W. Romney, in Detroit auf. Romney Sr. bewarb sich um die republikanische Nominierung für die 1968er Präsidentschaftswahlen. Eine Bemerkung über angeblich "gehirngewaschene" Medien und seine kritische Haltung zum Vietnamkrieg führten dazu, dass er einem gewissen Richard Milhous Nixon unterlag.
Mitt Romney genoss seine akademische Ausbildung an einer mormonischen Hochschule in Utah, nachdem er zwei Semester die Universität Stanford besucht und zweieinhalb Jahre in Frankreich missioniert hatte. 1975 machte er schließlich als einer der Jahrgangsbesten seinen Abschluss in Harvard.
1978 bis 1984 war er als Vizepräsident der Unternehmensberatung Bain&Company tätig, 1984 bis 1990 als Präsident der Tochtergesellschaft Bain Capital. 1990 übernahm er als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des in Schwierigkeiten geratenen Mutterkonzerns und strukturierte diesen um. 1998 verließ er Bain&Company und wurde CEO des Olympiakommittees von Salt Lake City. Der größte Teil seines auf 190-250 Mio. US-$ geschätzten Vermögens stammt aus diesen zwei Jahrzehnten.
Als Romney den Vorsitz des Olympiakommittes am 11. Februar 1999 antrat, drohte ein finanzielles Desaster, das Defizit betrug bereits fast 400 Mio. US-$. Hinzu kamen Korruptionsvorwürfe, die etliche Offizielle ihren Job kosteten. Es wurde bereits erwogen, die Spiele zu verkleinern. Romney gelang es nicht nur, die Spiele mit einem Überschuss von 100 Mio. US-$ abzuschließen, er meisterte auch die aus den Anschlägen vom 11. September 2001 resultierenden gestiegenen Sicherheitsanforderungen.
Seine erfolgreiche Bewerbung für das Amt des Gouverneurs von Massachusetts im Jahr 2002 war bereits Romneys zweiter Versuch im Bereich der Politik. 1994 forderte er Sen. Ted Kennedy (D-MA) heraus. Am Ende gewann Kennedy den Kampf um den Sitz im US-Senat mit 58 zu 41 Prozent, dies war das erste Mal seit seiner Wahl 1962, dass Kennedy weniger als 60% der Stimmen bekam. 2002 aber, mit der erfolgreichen Olympiade im Rücken, schlug Romney seine demokratische Gegenspielerin Shannon O'Brien und wurde 70. Gouverneur von Massachusetts. In seiner vierjährigen Amtszeit baute er das enorme Defizit, welches seine (republikanischen) Vorgänger angehäuft hatten, durch moderate Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, ab. Außerdem setzte er eine Gesundheitsreform durch, die eine Pflichtversicherung auf privatwirtschaftlicher Basis bedeutete. Des weiteren setzte er sich für civil unions (eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften) ein, nachdem ihn der oberste Gerichtshof von Massachusetts vor die Wahl zwischen diesen und dem vollen Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare stellte. Im Waffenrecht hielt er sein Wahlversprechen, die diesbezüglich strikten Gesetze des erzliberalen Massachusetts unangetastet zu lassen. Auch in der Abtreibungsfrage gab er sich anfangs liberal, bezeichnete dies später aber als Fehler. Er verzichtete 2007 auf eine zweite Amtszeit als Gouverneur zugunsten der Präsidentschaftskandidatur und schied mit einer bescheidenen Zufriedenheitsrate von 43% aus dem Amt. Sein Nachfolger wurde der Demokrat Deval Patrick, 17 Jahre nach Couglas Wilder (D-VA) erst der zweite Afroamerikaner der zum Gouverneur eines US-Bundestaates gewählt wurde.
Am 13. Februar 2007 erklärte Romney offiziell seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2008, über die bereits seit seiner Rede auf dem republikanischen Wahlkongress 2004 spekuliert worden war. Angesichts seines (im Vergleich mit Giuliani und McCain) geringen nationalen Bekanntheitsgrades setzte Romney von Anfang an auf die "early states", wie Iowa und New Hampshire. Er verfügt über die mit Abstand größten finanziellen Mittel aller republikanischen Kandidaten, ein erheblicher Teil davon stammt allerdings aus eigener Tasche. Allein die Summe, die Romney seiner eigenen Kampagne "geliehen" hat, übersteigt das Gesamtbudget der meisten Präsidentschaftskandidaten erheblich. Und er gibt das Geld mit vollen Händen aus, vor allem für Werbespots in TV, Radio und Web. Im Ergebnis ist er in allen frühen Vorwahlstaaten vorn mit dabei. Mit Stand Silvester 2007 ist es ihm aber nicht gelungen, auch nur in einem Staat (sieht man einmal von Utah ab, den hat er wohl sicher) einen klaren Vorsprung zu erarbeiten und zu halten. In Iowa ist Mike Huckabee deutlich an ihm vorbeigezogen und in New Hampshire ist ihm Stehaufmännchen John McCain auf den Fersen. Selbst in seiner alten Heimat Michigan ist ihm der Sieg nicht sicher. Und so geht es für Romney in den ersten Januarwochen bereits um alles oder nichts: Ohne zwei, drei überzeugende Siege in den 8 Januar-primaries braucht er zum Super-Tuesday gar nicht erst anzutreten.
Dabei hat er zwei Probleme. Das erste ist sein Glaube. Die Mormonen gelten vielen Evangelikalen in den USA als suspekt. Romney hat zwar versucht, quasi auf den Spuren des Katholiken Kennedy, mit einer Rede zu diesem Thema dieses Problem zu entschärfen. Dennoch haben seine Gegner kaum eine Gelegenheit ausgelassen, subtil die diesbezüglichen Vorurteile anzuheizen.
Das deutlich gravierendere Problem sind aber seine inhaltlichen Positionen. Vielmehr die, sagen wir mal, Flexibilität der selben.
Hier zunächst der Mitt Romney aus dem Jahr 1994:


Damals wollte er im erzliberalen Massachusetts US-Senator werden. Nun als Präsidentschaftskandidat gibt er deutlich andere Töne von sich:

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Weitermachen, ob man für einen Iran-Krieg noch ne Authorisierung brauch, da sollen sich Anwälte drum kümmern
  • Waffenkontrolle: dagegen, nur Sturmgewehre müssen nicht in jedes Kinderzimmer
  • Todesstrafe: dafür
  • Kriminalität: lebenslange GPS-Überwachung bereits bei Ersttätern
  • Umwelt/Energie: für alternative Energien UND Ölbohrung in Naturschutzgebieten Alaskas
  • Gesundheit: Privat vor Staat, kein Sozialismus im Gesundheitswesen
  • innere Sicherheit: Guantanamo verdoppeln, ständig über Methoden der "intensiven Befragung" diskutieren ist unklug, einfach machen
  • Zuwanderung: Für illegale Immigranten nicht das schwarze unterm Fingernagel (Hat blöderweise selbst mehrfach welche auf seinem Anwesen beschäftigt, natürlich unwissentlich...)
Tja, kann man's dem durchschnittlich reaktionären US-Republikaner verdenken, wenn er dem Knaben nicht recht über den Weg traut? Ich finde nicht. Und deshalb wage ich mal die Prognose, dass auch das viele ausgegebene Geld im bodenständig-religiösen Iowa nicht für den benötigten Sieg reichen wird. Und damit wird auch New Hampshire schwierig, wo selbst ein knapper Sieg gegen McCain bereits eine Enttäuschung wäre. Gelingt nicht einmal das, dürfte diese Kampagne spätestens am Super Tuesday (5.2.) ihr Ende finden. Geld allein macht eben nicht nur nicht glücklich und schießt keine Tore, sondern es macht einen noch nicht automatisch zum Präsidentschaftskandidaten.

Freitag, 14. September 2007

Better know....a candidate: Duncan Hunter

Kommen wir zum drittel Teil unserer dreiteiligen Serie der drögen Außenseiter bei den Republikanern: Duncan Hunter.
  • Name: Duncan Lee Hunter
  • Duncan Hunter (R)
  • Geburtsdatum: 31. Mai 1948
  • Geburtsort: Riverside, California
  • Heimatstaat: California
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Politiker
  • Religion: Baptist
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Hunter wurde in Riverside im Umland von Los Angeles geboren. Er besuchte kurz verschiedene Universitäten, bevor seinen Militärdienst in Vietnam ableistete. Dieser Militärdienst verhalf ihm zu einem Studium an der Thomas Jefferson School of Law, das er 1976 abschloss. In der Folge war er als Anwalt tätig, seine Zulassung ruht jedoch seit 1983. Zwei Jahre zuvor war er für Kaliforniens 42. Bezirk in den Kongress gewählt worden. Durch verschiedene Wahlkreisneugliederungen vertritt Hunter heute den 52. Bezirk, der im Süden Kaliforniens, nahe der mexikanischen Grenze liegt und Teile San Diegos umfasst. Im Repräsentantenhaus gehört Hunter dem Militärausschuss an, dessen Vorsitzender er 2002-2006 war.
Hunter ist nun noch eine Spur farbloser als Tancredo und Brownback, er kann nicht einmal mit extremistischen Thesen und Forderungen aufwarten. Eine Besonderheit, auf die er selbst immer wieder hinweist, ist, dass er den Bau eines 14 (in Worten: VIERZEHN) Meilen langen Grenzzauns entlang der mexikanischen Grenze durchgesetzt hat.


Tja, wenn dem Kandidaten selbst schon sonst nix einfällt...

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Durchhalten bis zum Sieg, ggf. taktische Atomwaffen gegen Iran
  • Waffenkontrolle: dagegen, Bestnoten von der NRA
  • Todesstrafe: dafür, Einsprüche erschweren
  • Drogenpolitik: zufällige Drogentests bei Bundesbediensteten
  • Umwelt/Klima: gegen Kyoto, Schutzgebiete für bedrohte Tiere auflösen
  • innere Sicherheit: zu lasch mit den Entlassungen aus Guantanamo, für Überwachung auf Kosten von Freiheitsrechten
  • Zuwanderung: Mehr Zaun, mehr Zaaaaauuuun
So, die Struktur des Blogs verlangt einen abschließenden Kommentar. Aber was soll ich da noch schreiben? Vielleicht dass es Leute gibt, die gern "Bewerbung um das Amt des Präsidenten der USA" in ihrem Lebenslauf hätten. Wie sonst erklär ich mir so ne Kandidatur?

Better know....a candidate: Sam Brownback

Teil zwei unserer dreiteiligen Serie der drögen Außenseiter bei den Republikaner,: Sam Bronwback, der katholische Fundamentalist im Feld.
  • Name: Samuel Dale Brownback
  • Sam Brownback (R)
  • Geburtsdatum: 12. September 1956
  • Geburtsort: Parker, Kansas
  • Heimatstaat: Kansas
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Politiker
  • Religion: katholisch
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Brownback stammt aus Parker, einer kleinen "Stadt" im Osten von Kansas.Parker, Kansas 2000 hatte Parker 281 Einwohner aus 67 Familien in 96 Haushalten. Während seines Jurastudiums an der Kansas State University war er Vorsitzender des Studentenparlaments und einer Studentenverbindung . Außerdem war er Vizepräsident der Future Farmers of America, einer Organisation, der auch Ex-Präsident Carter in seiner Jugend angehörte. Nach Beendigung seines Studiums 1982 arbeitete Brownback als Moderator und Anwalt, bevor er 1986 zum Landwirtschaftsminister von Kansas ernannt wurde. Abgesehen von einem Austauschjahr in der Bundesverwaltung in Washington D.C. blieb er auf diesem Posten, bis er 1994 im Zuge der Republican Revolution für Kansas' 2. Bezirk in das Repräsentantenhaus gewählt wurde. Bereits 1996 ergab sich für Brownback die Chance, in den erlauchten Kreis der Senatoren aufzusteigen: Senator Bob Dole kandidierte (erfolglos) für die Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen, so dass eine Nachwahl für das Amt des US-Senators fällig war, die Brownback für sich entscheiden konnte. Im Senat gehört er dem Justiz-, dem Haushalts- und dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss sowie der OSZE-Kommission an. In der aktuellen Wahlperiode nahm Brownback an fast 40% der Abstimmungen nicht teil, was ihn an drittletzte Stelle unter allen Senatoren stellt - nur Sen. Tim Johnson (D-SD; krankheitsbedingt nicht dienstfähig, 100%) und Sen. John McCain (R-AZ, 48,1%) waren schlechter - ein Preis des Wahlkampfes. Mit 47% Zustimmung (bei 45% Ablehnung in seinem Heimatstaat weist Brownback für einen amtierenden Senator schwache Werte auf. Das dürfte ihn aber nicht um den Schlaf bringen - Brownback hat bereits angekündigt, 2010 keine Wiederwahl anzustreben.
Inhaltlich ist Brownback ein klassischer Vertreter des christlich-fundamentalistischen Konservatismus: Gegen Abtreibung, gegen mehr Rechte für Schwule und Lesben, für Todesstrafe, Kreationist und so weiter und so weiter:

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Weitermachen, aber politische Lösung wichtig
  • Waffenkontrolle: eher dagegen, mit Ausnahmen
  • Todesstrafe: dafür, Einsprüche erschweren
  • Drogenpolitik: schärfere Strafen
  • Bildung: Gegen Evolutionstheorie an Schulen
Auch Sam Brownback dürfte mit dem Ausgang des Rennens um die republikanische Nominierung nichts zu tun haben. Wenn die Basis der Republikaner sich zwischen den Inhalten und den Wahlchancen entscheiden müssen - und für viele am rechten Rand der "Grand Old Party" ist das der Fall - legen die Umfragen nahe, dass es ihnen wichtiger ist, einen Kandidaten zu haben, der Chancen hat, gewählt zu werden. Und mit Mike Huckabee und Fred Thompson stehen ja nun auch noch zwei deutlich charismatischere Kandidaten mit einigermaßen konservativem Profil zur Wahl. Aber schaut selbst: würdet ihr DEN wählen?


edit 29.12.:
Sam Brownback hat am 18. Oktober 2007 seine Kandidatur zurückgezogen.

Better know....a candidate: Tom Tancredo

Wir haben ja schon einige schräge Vögel im Kandidatenfeld gesehen. Die folgenden folgende Bewerber beweisen, dass, sagen wir mal, unorthodoxe Ansichten einen nicht zwangsläufig sympathisch machen: Die dreiteilige Serie der drögen Außenseiter bei den Republikanern beginnt mit Tom Tancredo.
  • Name: Thomas Gerard Tancredo
  • Tom Tancredo (R)
  • Geburtsdatum: 20. Dezember 1945
  • Geburtsort: Denver, Colorado
  • Heimatstaat: Colorado
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Lehrer, Politiker
  • Religion: Evangelical Presbyterian
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Tancredo stammt aus einer italoamerikanischen Familie, beide Großelternpaare sind aus Italien in die USA eingewandert. Als Student an der University of Northern Colorado war er bereits bei der Studentenorganisation der Republikaner sowie einer konservativen, parteiunabhängigen Jugendorganisation aktiv. Er befürwortete öffentlich den Vietnamkrieg, an dem er aufgrund eines ärztlichen Attestes nicht teilnehmen musste konnte.
Im Anschluss an sein Studium fand Tancredo eine Stelle als Geschichtslehrer in Denver. 1976 kandidierte Tancredo für das Parlament des Staates Colorado, dem er 4 Jahre angehörte, bevor Präsident Reagan ihn 1981 zum regionalen Vertreter des Bildungsministeriums machte. Er bekleidete dieses Amt bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Bush Sr. 1992, im Anschluss wurde er Präsident eines konservativen Think tanks.
1998 kandidierte er für Colorados 6. Kongressbezirk und gewann. Trotz seines Versprechens, lediglich 3 Amtszeiten anzustreben, bewarb er sich erfolgreich 2004 um eine vierte und 2006 um eine fünfte Amtszeit.
Inhaltlich ist Tancredo ein eher unspektakulärer Vertreter des konservativen Flügels der Republikanischen Partei: gegen Abtreibung, gegen mehr Rechte für Schwule und Lesben, für mehr Rechte für die Staaten und wenige für den Bund und Evolution ist auch nicht so sein Ding. Lediglich in einem Thema ragt er heraus: Einwanderung. Also jetzt nicht so Einwanderung wie bei seinen Großeltern, sondern anders: Illegale Einwanderung heißt das Zauberwort und auch wenn das nicht so gern laut gesagt wird, es geht im Wesentlichen um Mexikaner. Für Tancredos Zielgruppe ist der Mexikaner an sich ja sowas wie der Türke an deutschen Stammtischen. Und daher hat sich der wackere Abgeordnete deren Bekämpfung auf die Fahnen geschrieben - der illegalen Einwanderung, nicht der Mexikaner, Gott bewahre!

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Weitermachen, notfalls auch gegen Iran bzw. Mekka und Medina
  • Waffenkontrolle: dagegen
  • Steuern&Staat: mehr Kompetenzen für Staaten, weniger für den Bund
  • Drogenpolitik: Gegen medizinischen Einsatz Marijuana
  • Zuwanderung: illegale Einwanderung bekämpfen, legale Einwandrung stoppen: "Genug ist genug"
Um es klar zu sagen: Der Mann hat nicht den Hauch einer Chance! Selbst wenn die komplette Bevölkerung Lateinamerikas sich entschließen sollte, illegal die Grenze nach Norden zu übertreten. Tancredo ist nachgerade der Prototyp des uncharismatischen Konservativen, bei dessen Äußerungen sich 2/3 der Amerikaner amüsiert oder angewidert abwenden. Und wenn er nicht gerade extremistische Parolen drischt, ist Tancredo so dröge, dass es gar nicht so einfach war, einen einigermaßen interessanten Clip zu finden. Trotzdem, hier nun Tancredo in voller Pracht zum Thema Folter:


edit 29.12.:
Tom Tancredo hat am 20.12.2007 seine Kandidatur zurückgezogen.

Freitag, 7. September 2007

Better know....a candidate: Rudy Giuliani

Der Mann, von dem sich keiner wirklich vorstellen kann, dass die Republikaner ihn zu ihrem Kandidaten machen - und der doch in den nationalen Umfragen klar führt: Rudy Giuliani.
  • Name: Rudolph William Louis Giuliani
  • Rudy Giuliani (R)
  • Geburtsdatum: 28. Mai 1944
  • Geburtsort: Brooklyn, New York
  • Heimatstaat: New York
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Unternehmer, Politiker
  • Religion: katholisch
  • Ideologie: Moderate Libertarian Conservative
Rudy Giuliani wurde in eine italo-amerikanische New Yorker Familie hineingeboren, wie sie in einem Hollywood-Film vorkommen könnte: Anständig, katholisch und mit familiären Verstrickungen in, nun ja, ehrenwerte Gesellschaften eben. So verbrachte sein Vater einige Zeit in Sing-Sing und arbeitete nach seiner Freilassung für die Mafia. Nach dem Besuch verschiedener katholischer Schulen studierte Giuliani Polikwissenschaft und Philosophie am katholischen Manhattan College. Er überlegte, katholischer Priester zu werden, verwarf dies aber und studierte Jura an der NYU Law. Dennoch lässt ihn die Religion nicht los, wie folgender Ausschnitt aus einer Fernsehdebatte in New Hampshire zeigt:


Nach Beendigung des Jura-Studiums (cum laude) wurde Giuliani Mitarbeiter eines New Yorker Bezirksrichters, der ihn auch endgültig vor dem Wehrdiest rettete. Wegen seines Studiums wurde er zwei Mal zurückgestellt, doch 1968 sollte er endlich einrücken. Richter MacMahon überzeugte die Wehrverwaltung, dass er auf seinen Mitarbeiter nicht verzichten könne, so dass er ein weiteres Mal zurückgestellt wurde und schließlich gar nicht mehr zum Militär musste.
Ab 1970 arbeitete er bei der Staatsanwaltschaft und wurde 1973 zum Staatsanwalt ernannt. 1975 wechselte er seine Parteizugehörigkeit von "Demokrat" zu "Unabhängig" und wurde Mitarbeiter im Justizministerium, wo er bis zum Ende der Ford-Administration blieb. Während der Präsidentschaft Jimmy Carters arbeitete Giuliani als Rechtsanwalt, nach einem weiteren Intermezzo im Justizministerium in den ersten Jahren der Reagan-Administration (kurz nach deren Amtsantritt wurde aus dem "Unabhängigen" ein "Republikaner") wurde er Bundesstaatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York (State). In dieser Eigenschaft erlangte er erstmals nationale Aufmerksamkeit in spektakulären Verfahren, u.a. gegen die Mafia.
1989 bewarb sich Giuliani erstmals um das Amt des Bürgermeisters von New York, unterlag aber in der knappsten Wahl in der Geschichte der Stadt dem Demokraten Dinkins, den er vier Jahre später schlagen konnte. 1997 konnte er sein Amt behaupten und war damit der erste Republikaner seit dem 2. Weltkrieg, der als Bürgermeister von New York wiedergewählt wurde. Er machte sich vor allem durch eine restriktive Politik bei der Kriminalitätsbekämpfung einen Namen, die von vielen New Yorkern als übermäßig hart empfunden wurde, aber am Ende eine erheblich gesunkene Kriminalitätsrate zur Folge hatte. In wieweit dies wirklich mit der Politik Giulianis zusammenhängt, ist freilich heiss umstritten, zumal die Kriminalitätsrate bereits unter seinem Vorgänger zu sinken begann. Aber die Kriminalität ging zurück und mit diesem Plus im Rücken wollte Giuliani bei den Senatswahlen 2000 gegen Hillary Clinton antreten. Dazu kam es am Ende nicht, weil sich Giuliani, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, zurückzog.
Nun ja, er hätte auch etwas verpasst: Am 11. September 2001 katapultierte eine Gruppe durchgeknallter Fanatiker die Stadt New York und ihren Bürgermeister schlagartig in den Fokus der (westlichen) Weltöffentlichkeit. Mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit profilierte er sich als Fels in der Brandung und war von nun an "Americas Mayor", TIME ernannte ihn zur "Person of the year 2001". Auch hier gibt es nach wie vor heftige Kontroversen über Giulianis tatsächliche Rolle während der Anschläge und in den Wochen danach. So ist das Verhältnis zwischen Giuliani und den wichtigsten Feuerwehr-Verbänden bis heute angespannt bis feindselig, sie werfen ihm vor, die Suche nach Überlebenden und Opfern zu früh abgebrochen zu haben, um mit den Wiederaufbauarbeiten beginnen zu können.
Giulianis Amtszeit als Bürgermeister endete am 31. Dezember 2002, sein Nachfolger wurde der Milliardär Michael Bloomberg. Im März 2006 Mitglied der überparteilichen Irak-Arbeitsgruppe, schied aus dieser aber aus "terminlichen Gründen" bereits im Mai aus: Er hatte schon mit dem Spendensammeln für den Präsidentschaftswahlkampf begonnen.

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Choice
  • Same-Sex Marriage: dagegen, aber für eingetragene Partnerschaften, mehr Rechte für LGBT
  • Krieg: Kein Rückzug im Irak, eventuell unilateral vorgehen in Pakistan, notfalls taktische Atomwaffen gegen Iran
  • Todesstrafe: dafür
  • Steuern&Staat: Steuern runter
  • Folter: Wenns was hilft, immer feste
  • Waffenkontrolle: dafür
  • Klima & Energie: für Klimaschutz, für alternative Energien, gegen Kyoto-Vertrag
Giuliani ist das, was die Amerikaner ein "one trick pony" nennen, also ein Kandidat, der im wesentlichen ein Thema hat und das ist der Krieg gegen den Terror.


Hier hat er sich in den Jahren seit 2001 ein Image geschaffen, dass ihm eine hohe Kompetenzvermutung bei der Bevölkerung, vor allem der republikanischen Basis bringt. Das Problem ist nicht, dass er zu anderen Themen nichts zu sagen hat (wobei auch das für einige Felder stimmt), sondern das seine Ansichten zur Abtreibungsfrage, gleichgeschlechtlicher Ehe oder Waffenkontrolle jedem eingefleischten Republikaner die Zornesröte ins Gesicht treiben. Von seinem persönlichen Lebenswandel (zwei, nicht gerade geräuscharme, Scheidungen) ganz zu schweigen. Deshalb gibt es für Giulianis Kampagne zwei strategische Bedrohungen:
  1. Infragestellung seiner Anti-Terror-Kompetenz: Die Vorwürfe, er habe sich 2001 mehr um seine PR als um die Helfer, Polizisten und Feuerwehrleute seiner Stadt gekümmert, verfangen bisher nicht sonderlich bei der Basis der Republikaner. Sollte sich das ändern, hat
  2. Themenwechsel: Wenn es seinen Konkurrenten gelingt, andere Themen (s.o.) in den Vordergrund zu spielen, könnte selbst das "Held von 9/11"-Image nicht ausreichen, um die konservative Basis zu überzeugen
So lange Giuliani aber diese beiden Punkte im Griff hat, dürfte er gute Chancen haben, seinen Spitzenreiter-Status ins Ziel zu retten und einer der liberalsten republikanischen Kandidaten der Nachkriegszeit zu werden.

Mittwoch, 5. September 2007

Better know....a candidate: Mike Huckabee

Mit dem nächsten republikanischen Kandidaten steigen wir in die Tiefen des christlichen Fundamentalismus ein: Mike Huckabee
  • Name: Michael Dale Huckabee
  • Mike Huckabee (R)
  • Geburtsdatum: 24. August 1955
  • Geburtsort: Hope, Arkansas
  • Heimatstaat: Arkansas
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Geistlicher, Politiker
  • Religion: Baptist
  • Ideologie: Populist-Leaning Conservative
Mike Huckabee stammt aus Hope, einer 10.000-Einwohner Stadt in Arkansas. Sollte er am Ende tatsächlich im Weißen Haus ankommen wäre er bereits der zweite Einwohner dieser Kleinstadt, der das Amt des Präsidenten bekleidet. Huckabee studierte Theologie an der OBU und dem Southwestern Baptist Theological Seminary. Er wirkte einige Zeit als baptistischer Geistlicher sowie als Präsident eines religiösen Fernsehsenders.
1992 bewarb er sich um das Amt des US-Senators für Arkansas, unterlag aber deutlich dem demokratischen Amtsinhaber. Im selben Jahr wurde der damalige Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, zum Präsidenten gewählt, so dass der Vizegouverneur Tucker nachrückte. Die notwendige Sonderwahl zur Bestimmung eines neuen Vizegouverneurs entschied Huckabee für sich und nach dem Rücktritt des Gouverneurs im Zuge der Whitewater-Affäre wurde Huckabee 1993 Gouverneur. Er war damit erst der dritte Republikaner, der seit 1874 das Amt dieses Amt im demokratisch geprägten Arkansas bekleidete und wurde 1994, 1998 und 2002 für je vier Jahre wiedergewählt. In seine Amtszeit fiel die Einführung einer Treibstoffsteuer für den Straßenbau, eine Erhöhung der Umweltschutzausgaben sowie eine verstärkte Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens. Zwischen 1996 und 2004 erhöhte er die Ausgaben des Staates um über 60%, was ihm unter anderem eine der schlechtesten Bewertungen seitens des libertären CATO-Instituts einbrachte.
Das Thema Gesundheit betrifft Mike Huckabee auch ganz persönlich: 2003 stellten Ärzte bei ihm Diabetes fest. In der Folge nahm Huckabee in kürzester Zeit 120 Pfund ab und nahm seit 2005 an verschiedenen Marathons, u.a. dem New York Marathon teil. Woher kommt mir das bekannt vor?
Eine seiner letzten Amtshandlungen als Gouverneur war übrigens die Begnadigung von Keith Richards (genau der). Das Rock-Fossil war 1975 in Arkansas wegen Verkehrsvergehen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, die er bezahlte.
Wie es sich für einen ordentlichen Konservativen gehört, ist Huckabee pro-life, also gegen ein Recht auf Abtreibung. Er hat diesen Ansatz aber auf eine interessante Weise weiterentwickelt: Für ihn hört pro-life nicht mit der Geburt des Kindes auf, so dass die Gesellschaft auch für das weitere Wohlergehen des Kindes mitverantwortlich ist:


Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: dagegen
  • Krieg: Kein Rückzug, sondern Saudis einbinden und siegen
  • Todesstrafe: zögernd dafür
  • Steuern&Staat: raus mit der Kohle
  • Drogenpolitik: Für schärfere Strafen, Sondergerichte
  • Waffenkontrolle: dagegen
  • Klima & Energie: für Reduktion der Treibhausgase, für alternative Energien, gegen Kyoto-Vertrag
Huckabee dürfte wohl zu den unterschätzten Kandidaten im Feld gehören. Während er zu Beginn des Vorwahlkampfs als einigermaßen chancenlos gesehen wurde, läuft er spätestens seit seinem bemerkenswerten zweiten Platz bei der Iowa Straw Poll als "Geheimtipp". Gleichwohl wäre es sicher übertrieben, ihn auch nur als Mitfavoriten zu bezeichnen, aber wenn er bei den ersten Vorwahlen im Süden und Mittelwesente ordentliche Ergebnisse abliefert, wäre er eine ausgezeichnete Wahl als Vizepräsidentschafts-Kandidat. Denn er bringt neben (relativer) Jugend und sympathischem Auftreten etwas mit, woran es den Spitzenreitern fehlt: einen glaubwürdigen christlich-konservativen Background.
edit 29.12.:
Tja, da hat der Knabe ja wohl alle überrascht in den letzten Wochen. Quasi ohne finanzielle Mittel ist es Huckabee gelungen, nicht nur in den wichtigen Vorwahl-Staaten Iowa, Michigan und South Carolina zu punkten (in Iowa zwischenzeitlich mit beeindruckendem Vorsprung auf Platz 1). Auch auf nationaler Ebene ist er momentan Rudy-Jäger Nummer 1. Dahinter steht vor allem die Tatsache, dass sich die religiöse Rechte offenbar für den Prediger aus Hope entschieden hat. Und das verschafft ihm einen enormen Schub im Süden und Mittelwesen. Und noch einen tatkräftigen Unterstützer konnte Huckabee gewinnen:

Sonntag, 2. September 2007

Better know....a candidate: Ron Paul

Auch die Republikaner haben einen Kandidaten, der kräftig gegen den Strom schwimmt und recht kauzig daher kommt: Ron Paul
  • Name: Ronald Ernest Paul
  • Ron Paul (R)
  • Geburtsdatum: 20. August 1935
  • Geburtsort: Green Tree, Pennsylv.
  • Heimatstaat: Texas
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Arzt, Politiker
  • Religion: Baptist
  • Ideologie: Moderate Libertarian
Nach seinem Militärdienst, der ihn in den 60ern unter anderem nach Südkorea, in die Türkei und den Iran führte, bewarb er sich 1974 um die Vertretung von Texas' 22. Bezirk im Repräsentantenhaus. Diese Wahl - unmittelbar nach dem Watergate-Skandal - wurde für die Republikaner zur schweren Schlappe und auch Paul unterlag seinem demokratischen Gegner. Erst 1978 konnte er den Wahlkreis in einer regulären Wahl gewinnen und bis 1984 halten. In diesem Jahr entschloss sich Paul, für den Senat zu kandidieren, unterlag aber bei den republikanischen Vorwahlen und schied daher ganz aus dem Kongress aus und widmete sich wieder seinem Beruf.
Vier Jahre später kehrte er auf die nationale politische Bühne zurück: als Präsidentschaftskandidat der Libertären Partei bei den Präsidentschaftswahlen 1988. Mit 0,47% der Wählerstimmen belegte er dabei den dritten Platz nach dem Republikaner Bush und dem Demokraten Dukakis. 1996 kehrte Paul ins Repräsentantenhaus zurück, dem er bis heute angehört. Aufgrund von Wahlkreisänderungen vertritt er heute allerdings Texas' 14. Bezirk.

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: gegen ein Verbot, aber kein ausdrücklicher Befürworter
  • Krieg: hält Irak-Krieg für verfassungswidrig, generell sekptisch gegen US-Militärapparat
  • Todesstrafe: dagegen
  • Steuern&Staat: Senken, senken, senken
  • Drogenpolitik: Für Legalisierung von Marijuana
  • Waffenkontrolle: dagegen
  • Zuwanderung: für restriktive, an Arbeitskräftebedarf orientierte Einwanderungspolitik
Ron Paul (Spitzname: Dr. No, wegen seines Abstimmungsverhaltens im Repräsentantenhaus) ist ein echtes Phänomen:
In den nationalen Umfragen spielt er keine Rolle, gleichwohl hat er die wohl aktivste und aggressivste Fangemeinde im Internet, die wie wild durch die Blogs postet und kommentiert und Internetumfragen entert.
Er ist der einzige Bewerber bei den Republikanern, der sich von Anfang an gegen den Krieg im Irak ausgesprochen hat.
Neben einigen schrulligen Ideen ist er einer der radikalsten und konsequentesten Gegner jeglicher staatlichen Organisation: Das geht vom Militär, das er auf ein Mindestmaß reduzieren möchte über alle möglichen Bundesbehörden, bis hin zu UN-Behörden wie UNICEF:


edit 4.1.08:
Position "Krieg": Fehler korrigiert (s. Kommentare)

Freitag, 31. August 2007

Better know....a candidate: John McCain

Der nächste Kandidat ist der älteste unter den Republikanern und der einzige, der bereits einen Versuch unternommen hat, ins Weiße Haus einzuziehen: John McCain.
  • Name: John Sidney McCain III
  • John McCain (R)
  • Geburtsdatum: 29. August 1936
  • Geburtsort: Panama-Kanalzone
  • Heimatstaat: Arizona
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Soldat, Politiker
  • Religion: Episcopalian
  • Ideologie: Populist-Leaning Conservative
McCain entstammt einer Offiziersfamilie: Sein Großvater war Vizeadmiral im 2. Weltkrieg, sein Vater Oberbefehlshaber der Pazifikflotte während des Vietnamkrieges. Und so war es naheliegend, dass auch er in die Marine eintrat. Nachdem er im Juli 1967 bei einem Unfall beinahe ums Leben gekommen war, geriet er im Oktober des selben Jahres in nordvietnamesische Kriegsgefangenschaft, die fünfeinhalb Jahre andauern sollte. Aufgrund der gehobenen Stellung seines Vaters wurde ihm von nordvietnamesischer Seite die vorzeitige Freilassung angeboten, was er ablehnte. Als Folge der Misshandlungen während der Kriegsgefangenschaft kann McCain nicht mehr über die Schulterhöhe hinaus heben. Diese Erfahrungen haben McCain zu einer strikten Position in Bezug auf die Anwendung von Folter geführt, so dass er einer der schärfsten Gegner der Bush-Administration auf diesem Gebiet war.

Nach seiner Freilassung 1973 arbeitete McCain noch einige Jahre bei der Marine, aus der er 1981 ausschied. 1982 kandidierte er erfolgreich für das Repräsentantenhaus, bevor er 1986 als Nachfolger von Barry Goldwater in den US-Senat einzog, dem McCain bis heute angehört.
Bereits im Jahr 2000 bewarb sich John McCain umd die republikanische Nominierung für die Präsidentschaftswahlen. Durch seinen Status als Kriegsheld sowie seine moderaten Ansichten konnte er bei Demokraten und Unabhängigen punkten und schnitt in den ersten Vorwahlen überraschend gut ab - so schlug er den favorisierten Gouverneur von Texas, George W. Bush, in New Hampshire mit sage und schreibe 19 Prozentpunkten Vorsprung. Die Vorwahlen in South Carolina sollten die Entscheidung bringen. Hierbei spielte wohl auch eine Schmutzkampagne des Bush-Teams eine Rolle, das das Gerücht verbreitete, McCain, der mit seiner Frau ein Kind aus Bangladesh adoptiert hatte, hätte ein uneheliches Kind mit einer Farbigen. Von der Niederlage in South Carolina erholte er sich nicht mehr, der Rest ist Geschichte...
Bevor sich nun irgendjemand in den armen Mann verliebt, hier der policy-check:

Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: den Staaten überlassen
  • Krieg: Führender Vertreter der Erhöhung der Truppenstärke
  • Todesstrafe: Mehr davon
  • Folter: Auf gar keinen Fall
  • Drogenpolitik: Schärfere Strafen
  • Waffenkontrolle: gemischt, für ein Verbot bestimmter Sturmgewehre
  • Zuwanderung: Befürworter des gescheiterten Einwanderungsgesetzes, dass Erleichterungen für Einwanderer vorgesehen hätte, aber auch stärkere "Grenzsicherung"
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass McCain mit Sicherheit einer der moderatesten republikanischen Kandidaten ist - und das ist auch sein Problem: Er hat zwar starke Anstrengungen unternommen, sich den evangelikalen Rechten, die er 2000 stark angegriffen hatte, anzunähern. Seine Unterstützung der Reform der Einwanderungsgesetze, gemeinsam mit dem Erzliberalen Ted Kennedy, hat ihm aber bei der republikanischen Basis im Grunde das Genick gebrochen. Auf der anderen Seite hat er sich von Anfang an für eine Aufstockung der US-Truppen im Irak ausgesprochen, was die 70% der Amerikaner, die von diesem Krieg die Schnauze voll haben, auf die Palme bringt. Der Mann ist halt ein Überzeugungstäter, das hat ihm 2000 sehr geholfen und schadet ihm jetzt um so mehr. In manchen Staaten liegt er in den Umfragen bereits im einstelligen Bereich, hinzu kommt eine schwierige Finanzsituation: Als erster Kandidat meldete sich McCain für die staatliche Wahlkampffinanzierung an, was im Klartext heisst, dass er so gut wie pleite ist. Als Mitfavorit gestartet, wäre es mittlerweile schon ein kleines Wunder, wenn McCain em Ende ernsthaft um die republikanische Nominierung mitkämpfen könnte. Da wird es ihm auch nichts nützen, dass ihm von Freund und Feind ein großes Maß an Anständigkeit bescheinigt wird. Und auch nicht, dass er mit 10 Auftritten bei der "Daily Show with Jon Stewart" der unangefochtene Spitzenreiter in dieser Kategorie ist.

Better know....a candidate: Fred Thompson

Manchmal gibt es ja Fragen, die beantworten sich irgendwann selbst. Die Frage, mit wem ich die Vorstellung der Kandidaten beginne, ist so eine. Eigentlich wollte ich ja mit einem der sympathischen Freaks aus den hinteren Rängen anfangen, aber vor ein paar Stunden kam die Meldung raus: ER TUT'S!
Er, das ist Fred Thompson, der nach über einem halben Jahr als inoffizieller Vielleicht-Kandidat heute erklärt hat, am 6. September erklären zu wollen, ob er antritt. Klingt komisch, isses auch - doch erst einmal die harten Fakten:
  • Name: Frederick Dalton Thompson
  • Fred Thompson (R)
  • Geburtsdatum: 19. August 1942
  • Geburtsort: Sheffield, Alabama
  • Heimatstaat: Tennessee
  • Partei: Republikaner
  • Beruf(e): Anwalt, Lobbyist, Politiker, Schauspieler
  • Religion: Church of Christ
  • Ideologie: Hard-Core Conservative
Seine ersten Auftritte im politischen Rampenlicht hatte Thompson 1973/74 als Chefberater der republikanischen Minderheit im Watergate-Untersuchungsausschuss. Nixon war alles andere als überzeugt von den intellektuellen Qualitäten Thompsons. Dennoch stellte er die entscheidende Frage in den Anhörungen: 'Gab es Abhöranlagen im Weißen Haus?' Allerdings wird auch immer wieder behauptet, Thompson habe seine Parteiloyalität zu Nixon über seinen parlamentarischen Ermittlungsauftrag gestellt.
Nach dem Ende der Watergate-Ermittlungen arbeitete Thompson als Lobbyist. Dabei zählte neben der Tabakindustrie auch ein Verein zu seinen Kunden, der sich für die Lockerung der Abtreibungsgesetze einsetzte.
1994 kandidierte Thompson für den Senatssitz, den Al Gore 1990 gewonnen hatte, nach seiner Wahl zum Vizepräsidenten aber abgab, so dass eine Nachwahl fällig wurde. Im Zuge der "Republican Revolution" siegte Thompson deutlich, auch die Wiederwahl zwei Jahre später gelang ihm problemlos. Seine Tätigkeit im Senat ist mit unauffällig noch ganz wohlwollend umschrieben. Es gelang ihm kaum, eigene Gesetze im Kongress durchzubekommen, obwohl er der Mehrheitsfraktion angehörte. Sein schauspielerisches Talent stellte er 1996 in den Dienst des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole: Bei den Vorbereitungen zu den Präsidentschaftsdebatten doubelte er Bill Clinton. 2002 bewarb er sich nicht um eine weitere Amtszeit und löste damit ein Wahlversprechen ein.
Seit 2002 spielt Thompson einen Staatsanwalt in der NBC-Fernsehserie "Law&Order". Folgen mit Thompson laufen momentan noch als Wiederholungen bei NBC, was Thompson einen einzigartigen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verschafft. NBC hat angekündigt, keine Wiederholungen mit Thompson zu senden, sollte dieser seine Kandidatur erklären. Hat er aber bisher nicht.
Und damit wären wir beim bemerkenswerten Punkt der Präsidentschaftskampagne von Fred Thompson: Es gibt sie eigentlich nicht. Seit einem halben Jahr tut Thompson fast alles, was Präsidentschaftskandidaten so tun: Geld sammeln, wichtige Staaten bereisen, sich öffentlich zu Themen von nationaler Bedeutung äußern. Nur zwei Dinge fehlten: Er erklärte sich nicht zum Kandidaten und wurde daher auch zu keiner der Präsidentschaftsdebatten eingeladen. Trotzdem gelang es ihm, in den Umfragen erheblich zu punkten: In einigen Staaten, vor allem im Süden, liegt er sogar ganz vorn. Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt vor allem in der Unzufriedenheit der "christlichen Rechten" mit den bisherigen Kandidaten: Rudy Giuliani, der mehrfach verheiratete moderate Bürgermeister aus New York, John McCain, der ehemalige Rivale von George W. Bush, der führende Evangelikale quasi zu Hasspredigern erklärte und Mitt Romney, der Mormone, der als Gouverneur von Massachussetts die dortigen liberalen Abtreibungsregeln unterstützte. Diese drei, zusammengefasst als "Rudy McRomney" konnten nun wahrlich keinen strammen Konservativen begeistern. Und in diese Lücke stößt Thompson: Ein konservativer Schauspieler, da werden Erinnerungen an Ronald Reagan wach, den Superhelden des amerikanischen Konservatismus. Von daher sah es eine Zeit lang so aus, als ob die Strategie, die offizielle Kandidaturerklärung möglichst lange hinauszuzögern, aufgehen würde. Mittlerweile scheint es aber, als hätte Thompson sein Blatt überreizt: Durch einen Wettlauf der Staaten um den frühest möglichen Vorwahltermin rücken die ersten Vorabstimmungen immer näher und die ersten Fundraising-Ergebnisse waren alles andere als beeindruckend. So bleibt abzuwarten, ob Thompson in den nächsten drei Monaten genug Schwung bekommt, um Rudy McRomney auch außerhalb der Südstaaten schlagen zu können.


Positionen:
  • Abtreibung: Pro Life
  • Same-Sex Marriage: Dagegen
  • Krieg: Irak-Krieg zuende führen, Präventivschlag gegen Iran, wenn dieser vor der Entwicklung von Atomwaffen steht
  • Todesstrafe: Dafür
  • Drogenpolitik: Schärfere Strafen
  • Waffenkontrolle: Gegen Beschränkungen, gegen schärfere Strafen bei Verstößen
  • Klimawandel: Das Sonnensystem erwärmt sich, nicht die Erde (Ernsthaft!)
Zum Abschluss noch ein, wie ich finde, richtig witziger Spot von Thompson gegen Michael Moore:


edit 22.1.08:
Fred Thompson hat seine Kandidatur am 22.1.2008 zurückgezogen.

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