Samstag, 22. März 2008

Hassprediger und andere Lückenfüller

Bis zur nächsten Vorwahl in Pennsylvania ist es noch einen Monat und so haben Politik und Medien etwas Mühe, sich die Zeit zu vertreiben, zumal sich Floridas und offenbar auch Michigans Demokraten nicht zu einer Wiederholung ihrer Vorwahlen durchringen konnten.
Und so werden dann auch Dinge ausgegraben, die es vor einigen Wochen noch nicht unbedingt auf die Titelseite der Zeitungen und Websites geschafft hätten. Zu Rev. Jeremiah Wright habe ich ja bereits etwas geschrieben. Insbesondere sein (kurz nach den Anschlägen von 2001, also vor über 6 Jahren getätigter) Ausspruch, "americas chickens come home to roost" empörte das öffentliche Amerika. Die Mühe, sich den Kontext dieser Aussage anzusehen, machten sich nur die wenigsten. Zu empfehlen ist hier ein Beitrag von CNN-Contributor Roland S. Martin, der auch die komplette Predigt zum Anhören bereithält (ruhig mal reinhören, wenns auch was länger dauert). Das Hühner-Zitat selbst geht offenbar auf Malcolm X zurück und wurde offenbar wenige Tage vor der Predigt von einem (weißen) Ex-Botschafter bei FOX News vorgebracht. Rev. Wright zitierte lediglich in einem "faith footnote" genannten Einschub dieses Zitat. Diese kleine Anekdote zeigt einmal mehr, welche Verstümmelungen an der Wahrheit die Medienmaschinerie anrichten kann.
Aber wie gesagt, für die wahre Geschichte interessierte sich kaum jemand und so sah Barack Obama die Zeit gekommen für eine Grundsatzrede über das Verhältnis von Weißen und Afroamerikanern in den USA (sorry, aber die wörtliche Übersetzung von "the issue of race" kommt mir einfach nicht über meine deutschen Finger):



Hier befindet er sich in prominenter Gesellschaft: Auch John F. Kennedy hielt es für geboten, seinen Landsleuten in einer Grundsatzrede klarzumachen, dass er als erster katholischer Präsident keine Anweisungen aus dem Vatikan entgegennehmen, sondern nach seinem eigenen Gewissen handeln würde.
Und so waren die historischen Vergleiche mal wieder schnell bei der Hand. Die Reaktionen auf Obamas Rede waren überwiegend positiv, wobei vor allem diejenigen voll den Lobes waren, die ohnehin eher dem jungen Senator nahestehen. Dass er mit dieser Rede neue Anhänger gewinnen konnte, ist nicht zu erwarten.

Unter den zahlreichen Betrachtungen findet sich auch dieser Beitrag des "Colbert Report", der auf hohem satirischen Niveau die Brücke zu den Hasspredigern auf der Rechten und John McCains Umgang mit ihnen schlägt:



War sonst noch was? Sowohl Obama als auch Clinton konnten ihr Unterstützerkonto um eine wichtige Stimme auffüllen. Der Ex-Präsidentschaftskandidat und Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson unterstützt Barack Obama, während Rep. John Murtha (D-PA) sich für Hillary Clinton ausgesprochen hat. Murtha gehört zu den einflussreichsten Demokraten im Kongress und bewarb sich nach der Wahl 2006 um den Posten des Mehrheitsführers, unterlag aber gegen Rep. Steny Hoyer (D-MD). Unterstützt wurde Murtha von Speaker Nancy Pelosi (D-CA), zu deren engsten politischen Verbündeten Murtha gezählt wird. Dies und der Umstand, dass Murtha aus dem demnächst vorwählenden Staat Pennsylvania stammt, macht dessen Unterstützung für Clinton in meinen Augen wertvoller als Richardsons Unterstützung für Obama - zumindest kurzfristig. In den Medien spielt freilich Richardsons endorsement die weitaus wichtigere Rolle, Murtha kommt kaum vor. Dessen Unterstützung dürfte im Vorwahlkampf nicht mehr so entscheidend sein, da keine Staaten mit großen Latino-Bevölkerungsteilen mehr auf dem Plan stehen (allenfalls Puerto Rico, dort dürfte Richardson allerdings weitgehend unbekannt sein). Als wesentlich wertvoller könnte sich Richardson allerdings im eigentlichen Wahlkampf erweisen. Er bringt manches mit, was Obama (noch) fehlt: Erfahrung, insbesondere in außenpolitischen Fragen, Attraktivität für konservative Wähler und eben für die Latinos. Mit Richardson im Team könnte Obama in New Mexico und Nevada punkten und damit seine Chancen für die Präsidentschaft erhöhen. Aber dazu müsste er erst einmal Kandidat werden.

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