Mittwoch, 5. März 2008

Just expectation game ?

Es ist schon erstaunlich. Eigentlich ist gestern eingetreten, was vorherzusehen war: Hillary Clinton hat die Primaries von Ohio und Texas gewonnen, ohne allerdings Obamas Vorsprung bei den Delegierten deutlich verringern zu können (momentan liegt Obama bei realclearpolitics noch mit 105 Delegierten vorn). Dennoch berichten die Medien (auch die deutschen) überwiegend vom dritten Comeback der Senatorin und erklären das Rennen wieder für völlig offen, manche sprechen sogar davon, dass Clinton jetzt wieder die besseren Karten hätte. Wie kommts?
Nun, zunächst einmal gibt es die exit polls, die belegen, dass Clinton nach den teils schmerzhaften Niederlagen der letzten Wochen ihre Stammklientel wieder besser anspricht. Frauen, Latinos, Ältere, Arbeiter und sozial schwache haben sie, teils mit großer Mehrheit gewählt und ihr damit zum Sieg verholfen. Obama war zwar in seinem Revier (die Jüngeren, die gut Ausgebildeten, Wohlhabenden und die Afroamerikaner) ebenfalls erfolgreich, allerdings ist diese Basis allein zu dünn. Seine Siege, z.B. in Wisconsin, erreichte Obama gerade dadurch, dass er in Clintons Stammwählerschaft einbrechen konnte. Dies gelang ihm nicht, selbst die weißen Männer entschieden sich mehrheitlich für Clinton. Ein Wort zu Republikanern und Unabhängigen, sofern sie in den demokratischen Vorwahlen abstimmten: Konnte sich Obama bislang fest auf diese, wenn auch kleine, Gruppe verlassen, zeigte sich auch hier, vor allem in Texas, ein anderes Bild: Bei den Unabhängigen konnte Clinton einen Gleichstand erreichen und selbst bei den Republikanern hält sich Obamas Vorsprung in Grenzen. Das ist bemerkenswert, ist Clinton doch eine Hassfigur für Amerikas Konservative. Hier könnte eine Rolle gespielt haben, dass der erzkonservative Radiomoderator Rush Limbaugh im Vorfeld die Republikaner aufgerufen hatte, Clinton zu wählen. Für McCain hat der Mann nämlich nicht viel übrig, außerdem ist das Rennen bei der Grand Old Party ja ohnehin gelaufen und so rief er die Republikaner auf, für etwas mehr Spannung bei den Demokraten zu sorgen. Ähnliches war ja auf demokratischer Seite vor den Michigan primaries versucht worden.
Soweit die Fakten. Mindestens ebenso bedeutend für die merkwürdige Medienberichterstattung dürfte aber etwas sein, was der US-Amerikaner "expectation game" nennt: Clinton ist es gelungen, in den letzten Wochen die Erwartungen an ihr Abschneiden erheblich herunterzuschrauben. Obwohl sie vor 3 Wochen noch zweistellig in Ohio und Texas führte und jeder von ihr erwartete, dort entweder deutlich zu siegen oder aufzugeben, gelang es ihrem Team, Obama in diesen für ihn eigentlich ungünstigen Staaten in eine Favoritenrolle zu drängen, aus der heraus sein eigentlich respektables Ergebnis wie eine Niederlage erscheint. Gleichzeitig gelang es dem Clinton-Lager, die Presse dazu zu bewegen, Obama stärker anzugreifen als in der Vergangenheit. Es wird sich zeigen, wie sich dieses Spiel in den nächsten Tagen weiterentwickelt. Als nächstes stehen die demokratischen Vorwahlen in Wyoming auf dem Programm, darauf folgen die allgemeinen Vorwahlen in Mississippi. Insbesondere dort kann Obama wieder auf einen deutlichen Sieg hoffen. Und dann werden die Medienschaffenden vielleicht wieder eher einen Blick auf die Delegiertenzahlen werfen und feststellen, dass Clinton gestern eigentlich ihre letzte Chance vergeben hat.
Und das ist eigentlich irgendwie ungerecht: Schaut man sich nämlich die Gesamtsumme der bei Caucusses und Primaries abgegebenen Stimmen an, liegt Clinton mal gerade etwa 70.000 Stimmen hinter Obama - bei 26 Mio. abgegebenen Stimmen. Das sieht dann schon eher nach einem offenen Rennen aus. Aber es geht eben am Ende nicht um Stimmen, sondern um Delegierte - und da sieht es nach wie vor finster für sie aus.

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